... wie Dich selbst?

13.09.2016 |

Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst, heißt es in der Bibel. Im Zeitalter von Selbstfindung und Individualisierung könnte man ja annehmen, die Welt ist voller Menschen, die sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Doch wenn ich genauer hinsehe – zum Beispiel in meinen Coachings - , dann wünsche ich meinen Klienten, dass sie eher etwas mehr als weniger Selbstliebe leben können.

Ein guter Mensch stellt seine eigenen Bedürfnisse hinten an, ist die Überzeugung, mit der die meisten von uns aufgewachsen sind. Jeder Mensch braucht Anerkennung – nicht nur für seine Leistungen, sondern einfach für sich -, Geborgenheit, echten Kontakt und Nähe, Schutz und persönliche Sicherheit. Doch die eigenen Grundbedürfnisse tatsächlich in den Mittelpunkt zu stellen, empfinden wir in unserem tiefsten Inneren nicht selten als egoistisch.

Wie kann ich meine Mitarbeiter, meine Kunden, meine Kollegen, meine Familie und meine Freunde achtsam behandeln, wenn ich mir selbst gegenüber keine Liebe walten lasse? Und ist es nicht so, dass unterdrückte Bedürfnisse sich anderer Stelle umso machtvoller, zuweilen auch maßloser, an die Oberfläche drängen? Meine These ist: Viele Dinge, mit denen wir uns selbst wichtig nehmen, sind eher Ersatz-Handlungen. Ersatzhandlungen dafür, dass wir unsere Grundbedürfnisse eben doch nicht leben.

...wie Dich selbst lautet der Arbeitstitel von Buch und Film, die ich in den nächsten Monaten neben meiner Coaching-Tätigkeit realisieren werde – mit Menschen wie Du und ich, die bereit sind, ein sehr persönliches Gespräch mit mir zu führen. Für mich ist das nicht ungewöhnlich, denn ich komme aus dem Journalismus und der Filmproduktion. Die Freibeuterin ist mein Film-Label. Auf die Website werde ich im Oktober auch einen Trailer zum Film stellen. Wenn Sie als Interview-Partner/Partnerin dabei sein möchten, schicken Sie mir einfach eine Mail: mail@das-wesentliche.info

Wenn Frauen Männer überholen

28.05.2016 | Feedback  

Seit ungefähr 20 Jahren jogge ich regelmäßig. Mittlerweile auf dem Land, dennoch treffe ich auf meinen Pfaden immer so zwei bis drei Spaziergänger. Egal, ob ich sie überhole oder ihnen entgegen komme, ich grüße immer freundlich. Heute lief ich einen kleinen Hügel hoch und mir kam ein Paar entgegen, wahrscheinlich so um die 70 Jahre alt. Nach meiner Begrüßung rief er mir entgegen: „Bergrunter wäre es leichter.“

Eigentlich ist so kleiner Kommentar ja nichts Dramatisches. Aber heute war es der Impuls, bei dem der Groschen fiel: Schlagartig wurde mir bewusst, dass ich in den ganzen 20 Jahren keine Situation erinnere, in der eine spazierende Frau, der ich beim Joggen begegnete, irgendeinen Kommentar dazu abgegeben hätte – aber zahllose Männer. Von „hop, Hop, Hop“, über „immer schön sportlich“ bis „eins, zwei, eins, zwei....“.

Bei längerem Nachdenken – es waren keine 20- oder 30jährigen unter den Kommentierern. Aber ab 40 können sie schon gewesen sein. Es sind also durchaus noch diejenigen, denen wir im Berufsleben begegnen.  Und meistens, möglicherweise auch immer, waren sie nicht alleine unterwegs. Das legt nahe, dass sie sich mit dem flotten Spruch auch den Freunden/der Partnerin gegenüber positionieren wollten.

Was mag die Triebfeder sein? Kommen die Herren nicht damit klar, dass eine Frau offensichtlich schneller unterwegs ist als sie selbst und – jedenfalls bei dem Herrn von heute - wahrscheinlich auch fitter? Zu Zeiten der Jäger und Sammler wäre es für einen Mann verständlicherweise etwas unangenehm gewesen, wenn eine Frau das Potential mitgebracht hätte, seinen Job besser zu machen. Aber die Zeiten sind doch schon lange vorbei...

Bleibt die Frage: Wenn manche Männer eine joggende Frau vor den Augen anderer nicht kommentarlos an sich vorbeiziehen lassen können, bezieht sich dieses Problem dann wirklich nur aufs Joggen oder doch auf viele anderen Lebensumstände?

Bisher habe ich immer so getan, als hätte ich nichts gehört und bin weitergelaufen. Doch irgendwie denke ich jetzt: Ich sollte meine Strategie überdenken. In einem meiner  Feedback-Workshops werde ich dazu sicher fündig...

Machen Sie sich ein Bild?

11.02.2016 | Storytelling  

Ich hab’s hier schon mal erwähnt, aber bekanntlich brauchen wir Menschen ja immer 50 Impulse, bis wir ins Handeln kommen: Das visuelle Gedächtnis des Menschen ist wesentlich besser ausgeprägt, als das sprachliche. Wie erinnern zu 80 Prozent visuell. Das Bild muss dazu einen Inhalt haben oder mit einem Inhalt verbunden sein, der uns emotional anspricht.

Und warum ist das wichtig? Zuallererst ist es für Sie selbst wichtig. Wenn Sie etwas erreichen möchten, dann ist ein Garant für Ihren Erfolg das Zukunftsbild, das Sie sich dafür kreieren. Natürlich können Sie dafür malen oder fotografieren, aber Sie müssen es nicht. Es reicht völlig, wenn Sie dieses Bild in Ihrem Geiste erschaffen. Aber es muss wirklich ein Bild sein! Nehmen wir mal an, Sie haben den Vorsatz in 2016 mehr Freizeit zu haben. Mehr Freizeit – das wäre noch kein Bild. Sich ein Bild davon zu machen, würde bedeuten, sich ‚auszumalen’ (ist doch sehr treffend, die deutsche Sprache, oder?), was Sie in der Freizeit tun werden.

Mir persönlich schwebt z.B. vor, regelmäßig Tango zu tanzen. Mein Bild wäre dann also:  Susanne in einem schwarzen, im Oberteil figurbetonten, ab der Taille schwingenden, geschlitzten Kleid, wie sie es genießt, von ihrem Tanzpartner mit leichter Hand zur Musik bewegt zu werden. Ich kann das sehen, fühlen, hören, riechen. Und genau darauf kommt es an: Dass Sie mit allen Sinnen ein Bild nicht nur ‚vor Augen’ haben, sondern in sich tragen. Wenn Sie sich dieses Bild immer wieder bewusst machen, hat es neurologisch betrachtet für Ihren Körper und Geist fast dieselbe Wirkung, als wenn Sie es gerade tun. Das Bild brennt sich also in Ihr Gedächtnis ein. Es entfacht Sehnsucht und Leidenschaft. Und sorgt so für die vielen Impulse, die wir brauchen, um etwas umzusetzen.

Natürlich können Sie ein Bild auch dafür benutzen, andere Menschen zu etwas zu motivieren. Sie nutzen dann eine der wichtigsten Überzeugungstechniken: Storytelling - Sie erzählen von Ihrem Bild. Z.B. könnten Sie Ihren Partner/Ihre Partnerin mit einem Bild davon, wie viel Spaß es machen wird davon überzeugen, dass er oder sie mit Ihnen Tanzen geht. Oder auch Ihre Mitarbeiter zu einem neuen Projekt oder einer bestimmten Umgangsweise miteinander motivieren. Beruflich ist es z.B. mein Ziel, Führungskräfte dazu zu motivieren, auch die Gefühle in Ihre Kommunikation einfließen zu lassen. Mein Motto lautet: Gefühl gewinnt! Mein Bild dafür: Menschen, die sich mit rein sachlicher Führung begnügen, sind vergleichbar mit einem Vogel, der zwar fliegen könnte, aber sicherheitshalber nur im Gras herumhüpft. Er findet sicher auch mal einen Wurm, aber sein volles Potenzial, Leichtigkeit und Freiheit, die spürt und lebt er so nicht. Lernen Sie fliegen!

In einem Interview mit den VDI nachrichten haben ich noch etwas mehr dazu erzählt.

Einladung zum Widerspruch

04.11.2015 |

Widerspruch ist wahrscheinlich mein zweiter Vorname. Mein Ex-Mann hat sich oft darüber geärgert, dass jeder zweite meiner Sätze mit ‚Ja,aber...’ begonnen hat. Das ist nun gute 15 Jahre her, doch etwas ist geblieben: Meine innere Unabhängigkeit. Leider stelle ich mir damit auch selbst manchmal ein Bein, denn diese innere Unabhängigkeit geht so weit, dass ich nie strategisch überlege, ob meine Meinungsäußerung mir die eventuellen Konsequenzen überhaupt wert ist.

Für diese Haltung darf man keine Angst haben. Zum Beispiel keine Angst arbeitslos zu werden. Mein fatalistischer Spruch darauf lautet immer: Wenn mich als Coach keiner will, gehe ich in meiner Lieblingskneipe unten am See kellnern. Dass eine solche Alternative nicht für jeden attraktiv erscheint, gebe ich gerne zu.

Wie viel Widerspruch leisten Sie sich in der Arbeit?

Befragt zum Diesel-Skandal setzt BMW-Chef Harald Krüger sich von VW ab, indem er den ZEIT-Redakteuren antwortet: „Für mich sind Ehrlichkeit, Offenheit, Transparenz und Vertrauen fundamentale Werte. Widerspruch gehört dazu.“ (siehe) Schon eine Woche vorher hatte die Süddeutsche diagnostiziert: „Für die VW-Affäre ist auch eine Befehlskultur verantwortlich, die lange in deutschen Konzernen herrschte.“ (siehe)

Das glaube ich auch. Und ich vermute, dass eine Unternehmenskultur, in der Widerspruch nicht von jedem gewünscht wird, bis heute in vielen deutschen Unternehmen zu finden ist. Was nützt es da, wenn VW ankündigt, wer zur Aufklärung beitrage, dessen früheres Verhalten werde nicht sanktioniert? Wer in seinem Umfeld weiterarbeiten möchte, den kann diese Ankündigung allein wohl schwerlich zur Aussage bewegen. So viel Offenheit gelingt nur, wenn die Kultur dazu passt.

Dieses Gefühl, dass Offenheit erwünscht ist, dass sie sogar ein wichtiger Baustein für den Unternehmenserfolg ist, entsteht, wenn Führungskräfte sich als Menschen zeigen, also auch emotional führen. Zum Beispiel indem sie von den Erfahrungen sprechen, die sie geprägt haben, von Erfahrung, die sie von einer ganz bestimmten Herangehensweise an eine Aufgabe überzeugt haben – von guten ebenso wie von schwierigen. Ein solches Storytelling ist elementarer Bestandteil von emotionaler Führung.

Wer sich als Mensch zeigt, lädt auch zum Widerspruch ein, denn diese Haltung impliziert, dass ich Fehler mache, dass ich eine Meinung habe und eigene Prioritäten setze und dass mein Gegenüber nicht zwangsläufig genauso ticken muss, auch wenn ich seine/ihre Chefin bin.

Neurologisch betrachtet entsteht neues Handeln nur dann, wenn Gefühle beteiligt sind. Natürlich ist auch Angst ein Gefühl. War aber schon immer ein schlechter Ratgeber.... Wenn Sie stattdessen mit emotionaler Führung eine Kultur des Vertrauens fördern möchten – ich bin gerne dabei!

Wie entsteht ein Wir?

14.08.2015 | Team-Building  

Wie reden wir miteinander? Was geben wir preis von dem, was uns im Moment des Redens wirklich bewegt? Was verschweigen wir? Was sagen wir so dahin, vielleicht weil wir meinen, schnell reagieren zu müssen, vielleicht um ‚auch’ etwas gesagt zu haben, vielleicht um eine Position zu wahren? Am Wochenende habe ich das Gemeinschaftsprojekt in Schloss Tempelhof besucht. 140 Erwachsene und Kinder, die zusammen leben und arbeiten. Einen Vormittag lang haben wir einen Vorgeschmack auf den Wir-Prozess nach M. Scott Peck bekommen. Im Buch The Different Drum: Community Making and Peace (1988; deutsch: Gemeinschaftsbildung: Der Weg zu authentischer Gemeinschaft, 2007) beschreibt der amerikanische Psychotherapeut vier Entwicklungsphasen, durch die jede Gruppe gehen muss, wenn sie arbeitsfähig werden will: Pseudogemeinschaft, Chaos, Leere und Authentizität.

Konkret hieß das: Ich saß mit 15 Menschen im einem Kreis. Wir hatten zwei Stunden Zeit und kein Thema, dass wir hätten besprechen müssen. Jeder von uns hatte eine Karte gezogen mit einer Empfehlung, wie wir miteinander umgehen sollten. Die Aufgabe war es, den Moment des Aufdeckens der Karte sehr bewusst wahrzunehmen und auch die ersten Assoziationen, die sie in uns auslöst. Die Aufforderungen auf den Karten lauten z.B.

·      „Sprich von Dir und Deiner Erfahrung“,

·      „Sei verantwortlich für den Prozess und für Dein persönliches Gelingen“,

·      „Schließe ein, vermeide jemanden auszuschließen“.

Ich zog: „Äußere Dein Missfallen in der Gruppe, nicht außerhalb“. Die Aufforderung empfand ich als sehr passend. Fast alle anderen Teilnehmer des Kennenlernwochenendes waren hier, weil sie sich vorstellen können, Teil der Gemeinschaft zu werden. Ich selbst habe das nicht vor und empfand mich demensprechend eher als von außen auf die Sache schauend. Das ist eine Position, in der man sich gerne mit öffentlichen Äußerungen zurück hält und stattdessen hinterher seine Urteile abgibt.;-(

Mit diesem Austausch in der Gruppe war ich aber sofort „innen“. Ich wurde zum Teil des Ganzen. Ich nahm die Mitglieder meiner Gruppe neu wahr, als würde ich in Zeitlupe durch ein Mikroskop schauen. Und ich spürte, dass es den anderen mit mir ähnlich ging. Diese Art und Weise im Miteinander bei sich zu bleiben führt zu einer ungewöhnlich hohen Präsenz und dazu, dass der Mensch als Wesen und Persönlichkeit unmittelbarer greifbar wird.

Sofort dachte ich: Wie wäre es, mit diesem Instrument Team-Building zu machen? Wie viel Chaos und Leere wird eine berufliche „Pseudogemeinschaft“ aushalten, um am Ende zu Authentizität zu finden? Welches Unternehmen wagt dieses Risiko? Doch mein erstes Experiment war ja nur zwei Stunden lang....  Demnächst werde ich meinen Selbstversuch auf ein ganzes Wochenende ausdehnen – und davon berichten, zum Beispiel beim nächsten Netzwerk-Abend in meiner Küche.

Was die Strömung erzählt ..

07.07.2015 | Coaching  

Mein persönliches Entwicklungs-Thema ist das Loslassen von Kontrolle. Das beschäftigt mich schon sehr lange. D.h. ich habe es auch nach Jahren noch nicht ‚abschließend’ bearbeitet. Wer weiß... vielleicht ist es mein Lebensthema. Wie dieses Thema neue Dimensionen annimmt, das merke ich, wenn ich beim Joggen auf einer Brücke über dem Bach halt mache, der vom Starnberger See durch das Gelände von Schloss Weidenkam fließt, in dem ich wohne.

Ich mache dann eine kleine Übung, die ich über einem Bach stehend irgendwo in den Alpen, die ich vor vier Jahren auf dem E5 überquert habe, entwickelt habe. Ich schließe die Augen und nehme wahr, wie das Wasser unter mir durchfließt. Erst stehe ich dabei flussaufwärts, was mir das Gefühl gibt, alles, was auf mich zuströmt in mich aufzunehmen. Dann ‚blicke’ ich flussabwärts und lasse alles wieder los. Es stellt sich das gute, befreiende Gefühl ein, dass ich nichts festhalten muss, dass der Strom niemals versiegen wird. 

Zu Hause hat sich die Übung, die ich jeden zweiten Tag beim Joggen mache, dann wie von selbst weiterentwickelt. Anfangs war meine Selbstwahrnehmung, dass ich zuerst erleben muss, welche Fülle auf mich zuströmt, um im zweiten Schritt alles loslassen zu können. Doch im Laufe der Zeit merkte ich, dass das auch zu viel sein kann und ich mich erstmal entleeren muss, um wieder etwas aufnehmen zu können. Die dritte Stufe war dann, dass ich mich nur noch flussabwärts ausrichtete, denn ich genoss es, Teil der Strömung zu sein und gar nicht mehr genau unterschieden zu können, wo die Grenzen zwischen aufnehmen und loslassen in mir ist.

Und gestern poppte die vierte Stufe der Übung in mir auf: Ich stand wieder flussabwärts ausgerichtet auf dem Brücke über dem Bach und nahm wahr, wie anstrengend es doch ist, hier ‚in’ diesem Fluss die Stellung zu halten. Es tauchte die Vorstellung in mir auf, wie viel angenehmer es doch sein könnte, einfach mit der Strömung zu gehen. Sich drauf legen und tragen lassen... Was wird dann aus dem anfangs großen Gegensatz zwischen Aufnehmen und loslassen? Er hat sich aufgelöst...

Du musst Dich nicht anstrengen

06.06.2015 | Feedback  

Feedback ist das machtvollste und zugleich am meisten unterschätze Veränderungs-Instrument überhaupt. Eigentlich wissen wir das ja alle…. Als Ausbildungs-Trainerin der Buhr & Team Akademie durfte ich erleben, welche Qualität Feedback haben muss, damit es in der Tiefe wirkt. Und weil solche Erlebnisse – wenn man sie erzählt, auch beim anderen - Erkenntnisse festigen und Verhalten bestärken, möchte ich hier davon berichten.

Ich lernte die Teilnehmer erst im dritten Modul der Ausbildung kennen und hatte gleich die Aufgabe zu einer Übungs-Sequenz, in der die Teilnehmer als Trainer eine Einheit vorführen mussten, Feedback zu geben. Das ist eine heikle Situation, wenn ich die Teilnehmer ja noch gar nicht gut einschätzen konnte. Ich fragte mich: Wie weit darf ich gehen? Besonders heikel sind die sehr persönlichen Bereiche des Auftretens. In dem Fall einer Teilnehmerin lag mir ein Feedback zu Ihrer Stimme auf der Zunge, doch ich wollte sie in keinem Fall verletzten. Gleichzeitig bin ich aber der Meinung, dass ein nicht unwesentlicher Teil des Erfolgs eines Trainer davon abhängt, mit seiner Stimme Sympathien auszulösen.

Kurz und gut: Ich sagte der Teilnehmerin, dass ich ihre Stimme teilweise als etwas grell erlebt habe, und dass ich das sehr schade finde. Ich hätte nämlich den Eindruck, dass Sie sehr viel wisse über ihr Thema und auch didaktisch auf dem richtigen Dampfer sei. Ein Grund für die hohe Stimme könne z.B. sein, dass sie dennoch subjektiv das Gefühl habe, sich sehr anstrengen zu müssen, um gut zu sein. Ob das sein könnte? Sie bejahte das sofort. Dann macht ich ihr folgenden Vorschlag: Eine Hilfe könnte es sein, dass sie sich selbst vor Beginn einer Einheit immer zuflüstere: Ich muss mich nicht anstrengen. Ich bin gut.

Dieses Feedback hat die Teilnehmerin so berührt, dass sie es in ihrer Prüfungs-Sequenz einer Trainings-Einheit zum Thema Feedback geben als Geschichte erzählte. Mir wurde erst durch ihre Erzählung deutlich, was das Besondere an meinem Feedback gewesen ist: Meine Rückmeldung hat sie emotional berührt. Die Protagonistin hat sich in einem Bereich ihrer Persönlichkeit wahrgenommen gefühlt, der von nur wenigen Menschen, vielleicht noch nicht mal von ihr selbst, gesehen wurde: Ihr Gefühl, sich anstrengen zu müssen, um gut zu sein. Allein mit dem Vorschlag, die Stimme doch etwas zu dämpfen, hätte ich diesen Effekt, die emotionale Berührung, niemals erreichen können.

Dazu passt eine Erkenntnis aus den Neurowissenschaften: Nur Impulse, die unsere Emotionen erreichen, können auch neue Handlungen auslösen, denn Handlungen brauchen immer einen Anstoß aus unserem emotionalen Erfahrungsgedächtnis.

Kannst Du Dich erinnern....?

23.05.2015 | Storytelling  

Mein allererster Vortrag über meine (damals) neue Tätigkeit als Coach und Trainer trug den Titel 'Seien Sie einzigartig'. Ich habe schon bei diesem ersten Vortrag mit Fotos aus dem Wald, in dem ich lebe, gearbeitet. Um den Unterschied aufzuzeigen zwischen einem Menschen, der sich als Persönlichkeit auch in seinem beruflichen Umfeld zeigt und jemandem, der nur ein Produkt, eine Technik oder Dienstleistung anbietet, hatte ich zwei Fotos ausgesucht: Ein Stapel geschnittener Holzbretter für letzteren und einen prachtvollen Baum, der auf einem Wiesen-Hügel trohnt und in seiner ganzen stattlichen Größe zu bestaunen ist für denjenigen, der sich als Mensch zu erkennen gibt.

Jetzt, viereinhalb Jahre später, habe ich dann in demselben Netzwerk, Go Business im Oberland, wieder einen Vortrag gehalten. Ich startete, indem ich mich an mein ‚erstes Mal’ erinnerte und zeigte wieder diese beiden Fotos. Vom Publikum wollte ich wissen, ob jemand auch vor vier Jahren schon dabei gewesen ist und sich an die Bedeutung der beiden Bilder erinnern kann.

Kaum zu  glauben: Es meldete sich ein Mann, der damals dabei gewesen ist und der meine Botschaft nicht vergessen hatte. Nach 4 Jahren, also rund 1500 Tagen! Sie lautete damals wie heute: Sei einzigartig! Ich meine damit: Zeige Dich, wie Du bist. Mit Ecken und Kanten, statt perfekt. Persönlich, statt angepasst.

Und das Geheimnis des Erinnerns? Es liegt im Bild. Das visuelle Gedächtnis des Menschen ist wesentlich besser ausgeprägt, als das sprachliche. Wie erinnern zu 80 Prozent visuell. Das Bild muss dazu einen Inhalt haben oder mit einem Inhalt verbunden sein, der uns emotional anspricht. Das können Sie natürlich auch ohne das Zeigen von Bildern in jeder ganz normalen Kommunikation erreichen. Einfach, indem Sie Geschichten erzählen. So, wie diese hier. Geschichten über Ihre Erfahrungen. Erfahrungen, die sie in Ihrer Haltung bestärkt haben. Positive ebenso, wie negative.